Sonntag, 14. September 2008

Alpakas und innere Ruhe

Kürzlich hatten wir im Forum eine Diskussion über eine sehr fragwürdige Methode, wie in Neuseeland Schafe "geschoren" werden. Darus resultierte die Überlegung, doch mehr einheimische Fasern zu verwenden.

Nun ja, ich muss ehrlich gestehen, ich gehörte zu den Verfechtern der importierten Wolle. Ich mag keine Hausschafwolle, ich gebs ehrlich zu, sie kratzt und macht mir beim Spinnen überhaupt keinen Spaß. Wo bekomme ich in Österreich oder allenfalls noch in Deutschland schön weiche Merinowolle her? (Oki, süddeutsche Merinowolle hab ich inzwischen gefunden und werde sie sehr bald ausprobieren!)

Allerdings hab ich ganz viel Alpaka hier, ungewaschen und frisch vom Tier, von einer kleinen Hobbyzucht in Deutschland. Wer gerne mal schauen mag: Alapakas vom alten Forstgarten
Ich hatte schon von der vorigen Schur 1,5 kg Huacaya Alpaka hier, nur war ich davon nicht wirklich sooo angetan. Die Schur war schlecht, in ganzen Vlies waren unzählige kleine Schnippel verteilt die nicht zum rausbekommen waren und den Faden ungleichmäßig gemacht haben. (Ja, da bin ich Perfektionist, ich mag es nicht, wenn meine Lace-Wolle Knubbel hat!)
Zuerst war ich mir nicht sicher, ob ich von der neuen Schur wieder was haben will, aber nachdem mir die Züchterin versichert hat, dass diesmal besser geschoren wurde, hab ich doch ganz viel genommen. Und - ICH BIN BEGEISTERT!!!

So weit nun die Vorgeschichte, jetzt komm ich zu dem, was ich eigentlich sagen will. :-)
Ich hätte nie gedacht, wie viel Spaß es mir machen würde, Alpakawolle auszusortieren, die verklebten Spitzen zu entfernen, die Fremdpartikel rauszuklauben und das Ganze zu lockern. Ich saß heute Mittag, während der Kleine seinen Mittagsschlaf hielt, etwa 1,5 Stunden vor einem traumhaft schönen Vlies, habe in Alpaka gewühlt und meine Gedanken schweifen lassen. Nun weiß ich: Ich habe die Hände gerne so nah wie möglich am Tier (näher wird es wohl nie sein, ich hab weder Platz noch Geld für eigene Alpakas), das Gefühl von Natur fehlt bei gekauften Kammzügen völlig. Ich bin zwar bei gekaufter Wolle viel schneller fertig, weil ich gleich losspinnen kann, aber dafür bekomme ich kein Gefühl für das Tier. Außerdem entgeht mir die Ruhe dieser Beschäftigung, das Abwägen was gut ist und was aussortiert wird.

Ich hab gerade Quante "in Arbeit", sie scheint eine richtige Lady zu sein. Ihr Fell ist traumhaft sauber, kaum Partikel drin und nur die alleräußersten Spitzen ganz leicht verklebt. An einem Kammzug hätte ich dies nicht erkennen können.

Inzwischen bin ich überzeugt: Ich nehme gerne die Mehrarbeit und den ungleichmäßigeren Faden in Kauf, dafür kenne ich das Tier, weiß, dass es ihm gut geht und dass die Faser nicht erst um die halbe Welt geflogen wird, ehe sie bei mir landet. (Nagelt mich aber bitte nicht fest, ich werde weiterhin auch importierte Wolle verarbeiten.)

Nun noch ein paar Fotos, um einen Eindruck zu bekommen, wovon ich nun die ganze Zeit geschwafelt hab:


Ein Teil von Quantes Fell VOR meiner Behandlung...


...und danach ohne verklebte Spitzen, sooooo weich!


Vorbereitet Spule für Spule zum kardieren.


Hier 100g schon fertig, der obere Strang ungewaschen, der untere gewaschen.


Piccola passt auf, ob Frauchen auch alles richtig macht. Allerdings hatte ich sie zuvor daran gehindert, sich in dem herrlich weichen Vlies ein Nestchen zu bauen...

Kommentare:

spinndiva hat gesagt…

Hallo Sabine!
Nun hab ich Dein Blog gefunden! Werd ich mir gleich mal abspeichern!
oh ja.. das alpaka..... *lechz*

LG
B.

Woll-Land hat gesagt…

wow, traumhaft!
ich freu mich auch schon aufs verspinnen meiner "burschen" :-))

liebe grüße
martina

ich kann dein blog irgendwie niergends abbonieren...

Spinnwahn hat gesagt…

Hallo Martina,

das hab ich doch glatt vergessen, jetzt sollte es klappen. ;-)

LG Sabine

Woll-Land hat gesagt…

jetzt gehts :-)
wir haben übrigens eine katze, die genauso ausschaut wie eure, sie ist erst 5 monate alt und heißt schwarzer teufel :-)))
liebe grüße
martina